23.09.2018

Familien-Urlaub mit Elektroauto - geht das? 

Ein Erfahrungsbericht

 

Ein Familien-Urlaub mit einem Elektroauto, eine sogenannte Langstrecke ans Meer über hunderte von Kilometern, mit Kindern, mit Gepäck und Zwischenladungen. Geht das überhaupt? Theoretisch schon, aber es gibt genug Leute, die behaupten, das Elektroauto sei nichts für größere Entfernungen. Wir wollten es wissen und haben es ausprobiert.
Aber zuerst kurz zu uns, Wir sind eine 5-köpfige Familie aus Heidenheim, unsere Kinder sind 12, 9 und 2 Jahre alt. Im Januar 2018 haben wir uns entschieden, unsere Auto-Mobilität auf elektrisch umzustellen. Da wir keine zwei Autos benötigen und das mangels Parkmöglichkeiten in unserem Wohngebiet eher hinderlich ist, hatten wir uns für einen neuen Renault Zoe mit der großen Batterie und Schnelllademöglichkeit entschieden und das bisherige Familienauto, einen VW Caddy, abgestoßen. Vom Platzangebot ist man vom VW Caddy natürlich verwöhnt und wir hatten auch unsere Zweifel, ob ein Kleinwagen ausreichend ist für fünf. Aber die Kleine ist aus dem Kinderwagenalter raus und so muss es einfach gehen.
Bild 1: Die Route: 800 km quer durch DeutschlandUrlaubsmäßig sollte es dieses Jahr an die Ostsee gehen (das war schon länger so geplant, ein Strand- und Buddelurlaub, vor Allem für die Kleine das erste Mal "ans Meer". Das wollten wir uns natürlich nicht von einem Autowechsel verhindern lassen).

 

Platz für Fünf im Kleinwagen?

Dass man im Kleinwagen weniger Platz hat, ist klar. Der Platz im Innenraum bei der Zoe ist für 2 Erwachsene und 3 Kinder zwar ausreichend, aber im Kofferraum ist natürlich weniger Platz, als man für eine Urlaubsfahrt gern hätte (aber in welchem Auto hat man das Problem nicht ;-) ).
Also haben wir uns nach Möglichkeiten umgesehen, wie wir zusätzlichen Stauraum schaffen können.
Eine Dachbox ist daran gescheitert, dass Renault für das Modell Zoe keine Dachlast angibt, obwohl Dachträger vom Modell Clio passen sollen…
Unsere Lösung; für die Zoe gibt es (zwar nicht von Renault) von einem engagierten Maschinenbaubetrieb eine zugelassene Anhängerkupplung zu kaufen. Wenn man für den Garten was zu transportieren hat, ist so eine Anhängerkupplung sowieso praktisch; also haben wir uns diese gleich anbauen lassen. So lässt sich ein Fahrradträger montieren und darauf eine Aluminium-Box. Dies bietet immerhin knapp 50 % zusätzlichen Stauraum, der aber nur dann mitfährt, wenn er gebraucht wird. Bei einem Kurztrip hat die Kiste Ihre Bewährungsprobe gehabt und bestanden. Das Platzthema hätten wir also gelöst.

 

Dann noch das Thema Elektroauto

Unsere Zoe hat im Winter eine Reichweite von ca. 220 km und im Sommer im lokalen Betrieb (Stadt und Landstraßen) knapp 300 km. Sie hat die Möglichkeit mit bis zu 43 kW Ladeleistung zu laden, damit kann man nach ca. 30-40 Minuten mit 80% vollem Akku weiterfahren.
Auf dem Internetportal www.goingelectric.de gibt es ein Stromtankstellen-Verzeichnis, was von den Mitgliedern gepflegt wird. Es ist das vollständigste Verzeichnis, was es zur Zeit gibt. Neben vielen anderen Informationen zu und über Elektroautos, gibt es hier auch einen Routenplaner, der die Lademöglichkeiten und die fahrzeugspezifischen Ladeeigenschaften (Steckertyp, Ladeleistung, Reichweite, ...) berücksichtigt und relativ komfortabel eine Route mit Ladestationen zusammenstellen lässt. Für unsere Zoe haben wir mal eine nutzbare Reichweite von 200 km angenommen. Vor dem Hintergrund, dass zum Einen bei Autobahnfahrten der Verbrauch höher ist, und somit die Reichweite etwas sinkt. Zum anderen, dass man ja nie mit komplett leerem Akku an der nächsten Lademöglichkeit ankommen will und das man bei Schnellladungen den Akku nie ganz voll lädt, da wegen der Ladecharakteristik eines Akkus die letzten ca. 20 % nur langsam zu laden sind und es dadurch in Summe schneller geht, nur bis 80 % und dafür öfter zu laden. Der Routenplaner hat insgesamt 5 Ladestopps vorgeschlagen. Da wir auf der Hinfahrt in Erlangen bei den Eltern eh eine Zwischenstation einlegen, sind es von dort aus 4 geplante Ladestopps. 3 Ladestopps liegen an Autobahnraststätten (Frankenwald, Köckern und Prignitz) und ein Ladestopp beim Kaufland in Dallgow (westlich von Berlin).
Das war es erst mal an Planung. Als Notlademöglichkeit und für das Laden an normalen Haushalts- und Industriesteckdosen haben wir eine mobile Wallbox mitgenommen, ansonsten nur das normale Typ2-Ladekabel vom Auto.
Das Packen des Autos mit Gepäck und allerlei Zubehör für einen Strandurlaub hat geklappt und letztendlich war alles Nötige und auch etwas Unnötiges drin.

Bild 2: vollgepackt, es kann losgehen 

Die Hinfahrt


Also los; für die Hinfahrt haben wir uns entschieden, über Nacht zu fahren - weniger Hitze, weniger Verkehr, die Kinder schlafen, ... also haben wir uns entspannteres Fahren erhofft. Die erste Etappe nach Erlangen war kein Problem, diese haben wir schon öfter gemacht.

Dann abends ging es wirklich los auf die große Fahrt, noch 650 km bis ans Meer. Was bei Autobahnfahrten mit dem Elektroauto generell sofort auffällt, dass der Verbrauch mit dem Luftwiderstand mit höherer Geschwindigkeit deutlich ansteigt. Also haben wir uns bemüht, so um die 100 km/h zu fahren. Wenn man vom Verbrennungsmotor kommt, erscheint das erst mal "Schnecken-langsam". Nach einer Weile gewöhnt man sich aber und stellt fest, dass es irgendwie auch entspannter ist. Man hält sich über große Strecken auf der rechten Spur, am Wochenende sind kaum Lkws unterwegs. Hin und wieder findet sich ein Reisebus oder Wohnmobil, die ähnlich schnell unterwegs sind…

Dann der erste Ladestopp an der Raststätte Frankenwald. Gleich eine Ernüchterung, die Ladesäule an der Raststätte Frankenwald Ost (E.ON!) ist defekt. Zum Glück gibt es an dieser Raststätte eine Anschlussstelle und so kann man relativ leicht auf die andere Seite zu Frankenwald West wechseln, hier geht's und so wird die Zoe angestöpselt und füllt den Akku wieder. Nach 35 min, die für einen Toilettengang, Kakao und Tee genutzt wurden geht es weiter, jetzt nach Mitternacht wird es schon ganz ruhig auf der Straße und so auch im Auto. Der nächste geplante Ladestopp ist Köckern, der dann auch spannend erwartet wird.

Noch 35 km Rest sind im Akku als wir ankommen. Aber auch hier Ernüchterung, die Säule geht, zeigt aber an, dass sie belegt ist, obwohl kein Auto da steht... Ein Telefonat mit der E.ON-Hotline bringt keine Lösung, nur die Information, dass die Ladesäule auf der anderen Autobahnseite gegenüber auch defekt ist... na super! Recherche per Smartphone nach anderen Lademöglichkeiten; bis zur nächsten Schnellladesäule sind es 33 km. Das ist uns zu heiß, vor Allem, falls diese auch ausgefallen ist. Also entscheiden wir uns für eine Zwischenladung an einer "Normal"-Ladesäule (22 kW) etwas abseits der Autobahn, die nur 8 km weg ist. So fahren wir mitten in der Nacht nach Wolfen-Bitterfeld an den Bahnhof und laden hier den Akku soweit auf, um zur nächsten Schnellladesäule nach Dessau zu kommen. Dort treffen wir als Einzigen mitten in der Nacht im Gewerbegebiet noch einen anderen E-Autofahrer, der öfter diese Route fährt und erzählt: „Ja hier ist das Schnellladenetz etwas dünn und unzuverlässig“. Kurzes Nickerchen, auf der Rückbank ist auch alles still. Nach 40 Minuten geht es weiter, nächstes Ziel die Kaufland-Ladesäule westlich von Berlin.

Beim Einbiegen auf den Berliner Ring unterläuft uns aufgrund der unübersichtlichen Baustelle ein Fehler und so fahren wir in Richtung Osten statt Westen... Mist! Die nächste Ausfahrt zum Wenden ist auch gesperrt, so kommen wir erst 2 Ausfahrten weiter runter von der Autobahn. Das Navi zeigt mittlerweile eh an durch Potsdam zu fahren, so nehmen wir die kürzere Strecke über Land. Es ist mittlerweile 5 Uhr und wir entscheiden uns um bzgl. Ladestopp. Sonntag morgens beim Kaufland im Gewerbegebiet zu laden bietet wenig Möglichkeiten zum Zeitvertreib, der Magen ist auch recht leer und die Kinder auf der Rückbank werden auch bald aufwachen. Das morgendliche Zentrum von Potsdam ist noch menschenleer, im aufgehenden Sonnenlicht eine sehr schöne Atmosphäre - hätten wir mit dem Verbrenner nie erlebt...

Geladen haben wir dann in Berlin an einer Schnellladesäule in der Spandauer Vorstadt. Hier gab es auch die Möglichkeit sich etwas frisch zu machen und für ein Croissant mit Kaffee.
Nach wieder 40 min weiter Richtung Meer.

Nach der Erfahrung mit den E.ON-Ladesäulen bisher, haben wir über das Smartphone auf goingelectric.de nach den Ladesäulen an der Raststätte Prignitz geschaut und prompt stehen sie mit Störung im Verzeichnis. Na super, dann brauchen wir die gar nicht erst ansteuern. Als Schnelllade-Alternative bleibt nur, eine Säule in Neuruppin, die wir eigentlich noch nicht benötigen, da der Akku noch halbvoll ist. Aber ganz bis an die Ostsee wird knapp... Also nach 80 km, zur Sicherheit gleich nochmal geladen. Während das Auto lädt und die Fahrerin schläft geht es mit den Kindern einen kleinen Spaziergang an den Neuruppiner See. Die Enten werden heute von uns aufgeweckt...
Die restliche Fahrt lief problemlos, außer dem normalen sonntäglichen Verkehr der Hauptstädter in Richtung Ostsee. In Rostock haben wir wieder an einer normalen 22 kW-Ladesäule in der Stadt geladen, da das Auto eh stand, während wir beim 2. Frühstück/frühen Mittagessen den auslaufenden Segelschiffen der 28. HanseSail hinterher gesehen haben. So haben wir bis 13:30 Uhr in Rostock gebummelt, bis es endlich soweit war, unsere Ferienwohnung zu beziehen.

 

Ankommen und erstes Fazit

Und bei schönstem Sommerwetter gleich an den Strand... das Meer. Während die Kinder am Strand herumtollen und die Kleinste ganz verzückt ist ob des vielen Sandes, den es hier gibt, ziehen wir - leicht müde - eine erste Bilanz der Herfahrt. Insgesamt waren wir 3 Stunden länger unterwegs als geplant, davon ging ca. eine Stunde auf Verkehr, der Rest hauptsächlich auf die Probleme mit den defekten Ladesäulen und sicher auch etwas auf die langsamere Fahrweise. Insgesamt haben wir 7 mal geladen für 800 km, wobei die eine Zwischenladung in Wolfen-Bitterfeld nur eine Kurze war und die Ladung in Rostock eigentlich nicht nötig gewesen wären. Also 5 mal Laden für 800 km. Zwischen den Ladestopps sind wir 150 bis 180 km gefahren, was zum einen daran liegt, dass man nicht ganz voll lädt und noch mit Reserve ankommen will. Zum Anderen sind die Schnellladesäulen nördlich von Halle-Leipzig deutlich seltener und dann nimmt man eine, wenn es eine gibt und nicht wenn man eine braucht. Die Nachtfahrt war natürlich zum fahren anstrengend und ermüdend, nervend vor Allem die Nichtverfügbarkeit der E.ON-Ladesäulen und die Suche nach Alternativen, die in Summe auch einige 10 Minuten gekostet hat.
Die Rückfahrt soll besser laufen! Aber jetzt sind wir erst mal da und machen Urlaub...

Bild 3: Angekommen! Urlaub und StrandIm Urlaub war es kein Problem mit dem Elektroauto, wir haben in Rostock am Hafen geladen, am Ferienhäuschen an der Haushaltssteckdose und in Stralsund, während wir das Ozeanum besucht haben. Neugierige Blicke zieht man hier noch öfter auf sich, da Elektroautos im Nord-Osten noch seltener sind als daheim.

   
Bild 4: Laden in Rostock am Warnowufer... Bild 5: ... und in Stralsund in der Innenstadt
   

Die Rückfahrt

Für die Rückfahrt haben wir uns überlegt am Tag zu fahren, zum Einen ist es nicht mehr so heiß. Zum Anderen kann man sich bei Ladestopps die Zeit ganz anders vertreiben, als mitten in der Nacht. E.ON-Ladesäulen wollen wir meiden nach der Erfahrung bei der Herfahrt.
So fahren wir nach 14 Tagen nach dem Packen um 11:00 Uhr wieder los Richtung Süden. Unser erster Ladestopp soll Potsdam sein. Da das Auto am Ferienhäuschen randvoll geladen ist, sollte es geradeso reichen. Es sind 245 km ...

Es ist viel Rückreiseverkehr. An der Raststätte Prignitz wollen wir interessehalber schauen, ob das Laden heute funktioniert. Wir brauchen theoretisch noch keine Ladung aber ein bisschen mehr Reserve wäre nicht schlecht. Bei goingelectric.de sind die Ladesäulen inzwischen wieder als funktionsfähig markiert. Zuerst mussten wir einen von den zwei Verbrennerfahrern verscheuchen, die die Ladesäule zugeparkt haben... und dann anstöpseln und... geht nicht, das Display ist eingefroren und es tut sich nichts... Naja, als hätten wir's geahnt. So probieren wir es nicht länger, sondern wollen weiterfahren. Allerdings werden wir noch von Interessierten ins Gespräch verwickelt. Als Elektroautofahrer beantwortet man auch bereitwillig die Fragen und hofft, ein bisschen dazu beizutragen, dass mehr Leute elektrisch fahren. Wenn die Ladung hier funktioniert hätte, hätten wir auch noch länger gequatscht, aber wir wollen weiter...

Die Reichweiten-anzeige geht kontinuierlich runter, die Restkilometer des Navi bis zum Ziel auch, aber nicht so schnell wie die Reichweite. Es wird spannend... Um Berlin Stau und zähfließender Verkehr, aber das kommt der Reichweite zugute, da der Verbrauch sinkt ;-) Kurz vor Potsdam entscheiden wir uns, nicht den Schnelllader anzufahren, sondern eine Ladesäule in der Innenstadt und die Zeit für Sightseeing und Mittagessen zu nutzen. So stöpseln wir die Zoe mit 13 km Restreichweite in der Tiefgarage der IHK in Potsdam problemlos an und begeben uns ins Touristengetümmel. Überrascht davon, wie nah in Potsdam alles beieinander ist, kommen wir sogar nach Sanssouci, ganz ungeplant. Nach der Stadttour und Essen/Kaffee gehen wir wieder zum Auto und die Zoe ist an der Normalladesäule jetzt wieder zu 97 % und gratis geladen, gut wir waren auch 2,5 h bummeln... dann kommen wir hoffentlich sogar weiter als geplant bei der nächsten Etappe. Und tatsächlich könnten wir es gerade so wieder bis Frankenwald schaffen. Aber es ist eine E.ON-Ladesäule... und wir müssen noch bergan fahren... Das ist uns zu unsicher und so fahren wir in Triptis von der Autobahn runter und steuern einen Normallader im Ort an. Während die Zoe wieder geladen wird, suchen wir nach einer Möglichkeit zum Abendessen. Es ist kurz nach 20 Uhr, aber hier werden bei Zeiten die Bürgersteige hochgeklappt. Wir finden immerhin einen Dönerladen. Gestärkt geht es dann weiter, die Zoe ist nach 30 min nicht ganz so voll, wie in Potsdam, mal schauen, wie weit es reicht.

Bild 6: Zwischenladen in Potsdam, während wir Sightseeing machen

Wir schaffen es bequem bis Pegnitz und - man möchte schon sagen, da es keine E.ON-Ladesäule ist - das Schnellladen ist hier kein Problem. Mit Toilettengang und noch einem Kaffee sind wir wieder langsamer, als das Auto mit Laden und so fahren wir nach einer knappen Stunde weiter. Nach Anzeige müsste es ganz knapp bis Heidenheim reichen... Wie das aber ist, wenn man heim will, man fährt eher mal schneller als es vernünftig wäre. Und so entscheiden wir uns, da wir ja auch noch die Alb rauf müssen, in Ellwangen nochmal kurz zu laden. Hier stehen, wie öfter in Baden-Württemberg sogar 2 Ladesäulen, davon können andere Regionen träumen... Aber viel Zeit bleibt nicht zum schwelgen, nach 10 Minuten reicht die Ladung locker bis nach Hause.
Um 2:30 Uhr angekommen fallen wir müde ins Bett.

 

Wieder daheim

Die Rückfahrt ist deutlich besser gelaufen als die Hinfahrt. Insgesamt haben wir nur 4 mal für die 800 km laden müssen, das ist super! Das haben wir dadurch erreicht, dass wir in Potsdam wieder fast voll geladen haben und somit weit nach Süden gekommen sind, wo die Schnellladesäulen wieder häufiger sind und wir so die für uns bzw. unseren Akkustand Passenden nehmen konnten. Insgesamt waren wir 1,5 Stunden länger unterwegs als geplant, durch Stau und durch die
Sightseeingtour in Potsdam. Damit kann man zufrieden sein.

 

Gesamtfazit

Also uns braucht keiner mehr kommen, dass Elektroautos für die Langstrecke nicht gehen. Wir sind nicht mit leerem Akku liegen geblieben, haben nicht notladen müssen und sind in vertretbarer Zeit angekommen. Und es muss kein Tesla sein, sondern geht sogar mit der ZOE von Renault. Sicher, man muss sich umstellen und ein paar Gewohnheiten über Bord werfen:
a) immer so schnell fahren wie es geht; das lässt man beim Elektroauto schnell sein, da man viel deutlicher merkt, was für ein irrsinniger Mehrverbrauch an Energie das ist, den man zeitlich durch längeres Laden wieder bezahlt. Man lernt das so viel entspanntere Fahren zu schätzen und merkt, dass die Reise in Summe nicht viel länger dauert.
b) ohne Planung losfahren. Tankstellen gibt es im Vergleich zu Schnellladesäulen viel häufiger und es gibt immer mehrere Zapfsäulen, dann merkt man normalerweise gar nicht, wenn eine mal nicht geht. Die Situation mit den Schnellladesäulen ist im Moment noch weit davon entfernt. Diese liegen teilweise so, dass man die Reichweite des Autos nicht ausnutzen kann und sind manchmal defekt und man muss eine Ausweichlademöglichkeit nutzen. Wichtig ist eine kleine Vorausplanung und sich unterwegs, falls möglich, über den Status der avisierten Ladestationen zu informieren und Alternativen im Auge zu behalten. Eine entsprechende Reserve sollte man immer vorhalten um bei Bedarf die Alternativen ansteuern zu können.
c) So schnell wie möglich ans Ziel oder nach Hause kommen ist out – Der Weg ist das Ziel. Und auch, was man so alles nebenbei entdecken oder unternehmen kann.
Mit den Normalladesäulen ist es inzwischen kein Problem mehr, hier kann man relativ kurzfristig und spontan entscheiden, wo man Laden möchte. Nur sollte man diese Ladestopps dann so geschickt legen, dass man sich die Zeit entsprechend vertreiben kann, Stadtbesichtigung, Mahlzeiten, Spaziergänge, Zoobesuche, Einkaufen, ... Das lockert die Urlaubsreise zusätzlich auf und macht längere Autofahrten angenehmer und weniger stressig. Und nicht zuletzt bereichert das den Urlaub um ein paar Erlebnisse, diverse Ladesäulengespräche, Aha-Effekte und mehr.

Und das beste daran ist der ökologische Fußabdruck: 1600 km hin und zurück plus Fahrten am Urlaubsort mit nahezu Null CO2-, Stickstoff-, Feinstaub- und Lärmemissionen – Wow!

Im Alltag und für Berufspendler, d.h. alles, was innerhalb einer Akkuladungsreichweite liegt, ist der Vorteil des Elektroautos unstrittig. Mit den o.g. Vorkehrungen bzw. Umstellungen ist auch die sogenannte Langstrecke mit Zwischenladungen möglich und machbar.

Für uns gilt daher, nicht nur im Alltag, auch im Urlaub; nie mehr Verbrenner!

Noch ein Wort zu den E.ON-Ladesäulen: Offenbar hat das Unternehmen gerade eine Änderung am Abrechnungssystem durchgeführt, welche zu den Problemen, bzw. zum nicht Funktionieren geführt hat. Das ist nicht die Regel, aber ärgerlich und sollte nicht passieren. Das muss und wird sich hoffentlich in Zukunft bessern, wenn mehr Elektroautos unterwegs sind und die Nachfrage höher ist. Vorher haben wir bei keinen öffentlichen Ladestationen Probleme gehabt.

Markus Müller